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Natürliche Pflege im Sommer, Rezepte zum Selbermachen

Sanfte Gesichtsreinigung: Mandelpaste mit Rosenöl und Blütenhonig

Herstellung und Anwendung: 100 g geschälte Mandeln fein mahlen, mit 1 Tl Honig und 1 Tr. Rosenöl zu einer kleinen Kugel formen. Hält 1 Monat im Kühlschrank. 2-3 x die Woche 1Tl Mandelpaste mit Wasser zu einer Lotion verdünnen und damit Gesicht, Hals und Dekolleté reinigen.

 Gesichtsdampfbad mit Mohnblüten und Malve

1 x wöchentlich Gesichtsdampfbad, 10 Minuten lang Gesicht und Hals über einen milden Infus aus Mohnblüten und Malvenblättern halten.

Gesichtspackungen:

Maske/Packung mit frischer Honigmelone, Topfen oder Apfelcreme, Honig, hochwertigen Ölauszügen und ätherischen Ölen. Frische Zutaten mixen, 1 Tl davon mit 1 Tl Honig und 1 Tl Ölauszug gut vermischen. Ätherische Öle: 1 Tropfen Lavendel, Karotte, Orange, je nach Hauttyp. Abschließend mit einer Gesichtslotion aus Heilerdewasser und Ringelblumenextrakt abtupfen.

 

 

 

Tees für einen besseren Schlaf

Herzwärmende Mischung

Tilia platyphyllos L., flores                                30 g

Hypericum perforatum L., summitates *       10 g

Helichrysum italicum Don, flores                      5 g

Citrus aurantium L., epicarpum                         5 g

 

*Bei Einnahme von blutverflüssigenden Medikamenten ersetzt man das Johanniskraut durch Weißdornblüten und -Blätter.

Bei innerer Anspannung und mangelnder Wärme, vorwiegend melancholischem Temperament (das sich auch aus der Lebenssituation ergeben kann, bei Kummer und Trauer) und leichten Leberstörungen, die zu unruhigem Schlaf führen. Linde und Johanniskraut wärmen innerlich, die goldene Immortelle unterstützt Leber und Galle und die duftenden Orangenschalen verleihen dem Tee eine südliche, aufheiternde  Fruchtnote. Pro Tasse 2 Esslöffel der Teemischung mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Eine Tasse am Vormittag, zwei bis drei Tassen zwischen 18 und 21 Uhr, mit Lindenblütenhonig süßen und sehr heiß trinken.

Tausendgüldenkraut

Tausendgüldenkraut – Erythrea centaurium L.

Wenn das Tausendgüldenkraut
Offen blüht in Waldgehegen,
Darf gewiß sein, wer es schaut,
Daß es hat bei Nacht gethaut,
Und am Tage kommt kein Regen.

Friedrich Rückert

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In der warmen Morgenluft, nach einer Mittsommernacht öffnen sich die Blüten des Tausendgüldenkrautes. Purpurfarbene Kronenblätter und goldgelbe, lange Staubblätter laden Bienen und Insekten ein. Auf pfeilgeraden Stängeln wächst es als einzelne Pflanze oder in kleinen Gruppen dem Himmel entgegen, auf sonnenbeschienenen Wiesen, Trockenfluren und an Waldrändern. Wer Exemplare von Erythraea centaurium (auch Centaurium umbellatum oder Centaurium minor) an einem bestimmten Ort entdeckt, kann sie auch im nächsten Jahr wiederfinden, denn sie säen sich leicht aus und bevölkern eine Gegend viele Jahre lang. Sammeln darf man das Tausendgüldenkraut in vielen Ländern Europas, z.B. in Deutschland, nicht mehr, es ist selten geworden und steht unter Naturschutz. In Mittelitalien findet man große Bestände auf verlassenen Weiden und Feldern, denn in den letzten Jahrzehnten haben viele Bauern ihre Höfe verlassen und sind in die Stadt gezohen. Nördlich der Alpen kann man es im Garten aussähen oder sogar auf dem Balkon, als Topfpflanze ziehen. Als Heilpflanze wird es in Nordafrika, Albanien, Mazedonien und Bulgarien angebaut.

 

Das gesellige Tausendgüldenkraut blüht gerne auf Weiden und Wiesen, an Weg- und Feldrändern, ungefähr zur selben Zeit und an ähnlichen Orten wie die Schafgarbe, das Johanniskraut und das Labkraut, um die Zeit der Kornreife (Juni bis Juli). Als Pflanze, die in einer Art Symbiose mit bestimmten Wildgräsern lebt, leidet sie sehr unter den Auswirkungen der modernen Agrarwirtschaft, z.B. dem wiederholten Einsatz von Herbiziden. Tausendgüldenkraut gilt als Indikator für naturbelassene, zugewachsene Böden, aber es ist auch als „Wetterkraut“ bekannt: die Blüten öffnen sich nur bei warmem Wetter und Lufthochdruck und schließen sich, sobald Wolken den Himmel verhängen und ein Gewitter naht.

Im späten Frühjahr sprießen die grundständigen, ovalen Blätter und bilden eine Rosette. Mit zunehmender Wärme wächst aus der Pfahlwurzel der vierkantige, robuste Stängel, mit kreuzgegenständigen, schmaler werdenden Blättern. Der Stängel verzweigt sich erst, wenn die Pflanze zur Blüte drängt und den schirmförmigen Blütenstand bildet. An diesem Punkt wird aus der Senkrechte eine rosablühende Waagrechte, wobei die Blüten mit den fünf Zipfeln sternförmig aus langen hellgrünen Kelchen hervorleuchten.

Frische Tausendgüldenkrautblüten duften zart, Blätter und Stängel hingegen schmecken unglaublich bitter! Die Pflanze ist eines der bittersten Wiesenkräuter Europas und gehört zur Familie der Enziangewächse.

Wer in den Alpen einen stengellosen blauen Enzian (Gentiana acaulis) oder einen hochwüchsigen gelben Enzian (Gentiana lutea) betrachtet, nimmt wahr, wie verschiedenartig sich dieser Typus in den verschiedenen Höhenlagen offenbaren kann. In trockeneren Lagen wird das Tausendgüldenkraut schmal, mit wenigen Blüten und erinnert den Betrachter eher an eine Getreidepflanze. Es wird hart wie Heu und schmeckt bei anhaltender Trockenheit unglaublich bitter.

Vom Kentaurenkraut zum „Rothen Aurin“

„Fel terrae“, Erdengalle oder Erdensaft nannten die Römer das Tausendgüldenkraut. Der Arzt Dioskurides und Plinius der Ältere, der Geschichtsschreiber, priesen es als Heilpflanze bei Verdauungsstörungen, Gicht, Augenleiden und Schwächezuständen. Auszüge in Wein, Öl und sogar in Bier waren den Kelten bekannt, und in Italien wird es  auch „erba dei galli“ (Gallierkraut) genannt.

Die wohl berühmteste Schilderung dieser Heilpflanze geht auf den Dichter Homer zurück. In der Ilias beschreibt er, wie der Kentaur Chiron – halb Mensch, halb Pferd, Heiler und Lehrer des Achilles und des Asklepius – von einem Pfeil des Herakles verwundet wird und  versucht, seine unerträglichen Schmerzen durch das Tausendgüldenkraut zu lindern. Die Pflanze verdankt jenem Fabelwesen, dem unsterblichen Kentauren Chiron, ihren Namen: Centaurium.

Die lateinische Bezeichnung wird im Deutschen zu einem späteren Zeitpunkt wohl wörtlich übersetzt: Centaurium wird zunächst zum „Hundertgüldenkraut“ (centum, hundert und aurum, Gold), später zum Tausendgüldenkraut, aber auch zum „Rothen Aurin“. Diese Interpretation aus dem Frühmittelalter hat weitere Hintergründe. Die Menschen empfanden die Natur damals noch als bildhaft und benannten das Kraut nach seiner vielseitigen Heilkraft, genauso, wie sie sie wahrnahmen. Es galt als ein Mittel, das „tausendfach wirkte“ und kostbar war wie Gold. Die Worte „Gulden“, „Gold“ und „Gelten“ (im Sinne von „Wirken“) haben eine gemeinsame etymologische Wurzel!

Das Tausendgüldenkraut als Heilpflanze

In der modernen Pflanzenheilkunde haben sich die verdauungsfördernden und magenstärkenden Eigenschaften des Tausendgüldenkrautes bewährt, leider gehört es heute zu den weniger gebräuchlichen Heilpflanzen. Das ganze Kraut und vor allem die Blüten enthalten bittere Substanzen, sogenannte Secoiridoidglycoside, des weiteren Phenylcarbonsäuren, Xanthonderivate, Flavonoide, ätherisches Öl. Die Droge „Centaurii herba tota“ (ganze Pflanze) erreicht einen Bitterwert von 1:3500*.

Sie wird zunächst bei verschiedenen Verdauungsproblemen eingesetzt: Sodbrennen und Magenschwäche, zur Stimulierung der Magensaftsekretion und Appetitanregung. Die Wirkung auf den Verdauungstrakt ist zweifach: einerseits stimulieren die Bitterstoffe durch die Geschmacksknospen auf der Zunge den Nervus vagus und somit die Produktion von Magensäure und Pepsinogen (Enzym) in der Magenschleimhaut. Sobald die Bitterstoffe in den Magen gelangen, wird die Produktion von Gastrin, einem Hormon, angeregt, welches ebenfalls die Sekretion der Magensäfte einleitet. Gleichzeitig stärken Extrakte der Pflanze die Bauchspeicheldrüse und werden bei leichtem Diabetes empfohlen, ebenso als Begleitmittel bei Lebererkrankungen und in der Behandlung von Pilzerkrankungen (Darmmykose).

Die geeignetsten Darreichungsformen bei Verdauungsschwierigkeiten sind die Frischpflanzentinktur und ein Kaltauszug: man setzt zwei Teelöffel kleingeschnittener Droge in 200 ml kaltem Wasser an, lässt mindestens sechs Stunden lang ziehen, filtert, erwärmt den Auszug leicht und trinkt ihn ungesüßt vor den Mahlzeiten, indem man ihn gut einspeichelt. Wenig bekannt ist, dass bei Präparaten wie Kapseln oder Tabletten die Bitterstoffe des Tausendgüldenkrautes nicht genügend absorbiert werden, und sie verlieren ihre Wirkung.

Eine weitere, wichtige Indikation des Tausendgüldenkrautes ist die allgemeine Stärkung des Organismus, die sogenannte Tonisierung. Man hat die kreislaufanregende Wirkung festgestellt, Erythraea centaurium erhöht den Gefäßtonus, regt die Herztätigkeit sowie den gesamten Stoffwechsel an. Extrakte helfen auch bei Eisenmangel, durch die besondere Kombination aus Bitterstoffen und organischen Säuren wird das Eisen, das mit der Nahrung zugeführt wird, leichter absorbiert und gespeichert. Schwächezustände und Kopfschmerzen anämischen Ursprungs können dadurch gelindert werden.

Das Tausendgüldenkraut ist als „Fieberkraut“ bekannt; folgende Teemischung  kann helfen, Fieber auf natürliche Weise zu behandeln.

Fiebertee**

Tausendgüldenkrautblüten   10g

Kardo-Benediktenkraut                     10g

Enzianwurzel                        10g

Bitterorangenschalen            10g

Bitterkleeblätter                                10g

 

Fünf Esslöffel der Teemischung in einem Liter kaltem Wasser ansetzen, nach 2 Stunden aufkochen, 2 Minuten köcheln, vom Herd nehmen und 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, in einer Thermokanne aufbewahren und, den Tag über verteilt, stündlich 2 Esslöffel davon trinken. Nicht süßen!

 

In der italienischen Volksheilkunde wird das Tausendgüldenkraut auch zu äußerlichen Zwecken verwendet. Mit dem Dekokt werden Wunden und Verletzungen ausgewaschen und erfolgreich behandelt. Umschläge helfen bei schlecht heilenden Wunden und „offenem Bein“ (Ulcus cruris). Auch in der Schönheitspflege findet es Gebrauch: Tausendgüldenkrauttee verleiht kastanienbraunen Haaren einen goldenen Schimmer und soll Sommersprossen und Altersflecken verblassen lassen.

Abschließend sei noch auf die Verwendung in der „Blütentherapie“ nach Dr. Edward Bach verwiesen: „Centaury“, der Blütenauszug aus dem Tausendgüldenkraut, ist verbunden mit den Seelenqualitäten der Selbstbestimmung und der Selbstverwirklichung. Im negativen Centaury-Zustand ist die Beziehung zum eigenen Willen gestört“***.

Dieses robuste, heuartige Kraut, fest im Boden verwurzelt, von zartem Duft, jedoch gallenbitter, vermittelt Stärke, Mut zum Durchhalten. Es kräftigt den Ätherkörper, und im Italienischen sagt man zu einem Menschen, der sich durch seine Ausdauer, seine Zielbewusstheit auszeichnet: „Hai fibra“: du bist aus einer robusten Faser gestrickt!

Karin Mecozzi, aus ARS HERBARIA, Heilpflanzen im Jahreslauf, Verlag am Goetheanum

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*Mit dem Bitterwert misst man, wie viel Bitterstoff in einer Lösung geschmacklich wahrgenommen wird: ein Bitterwert von 1000 bedeutet, dass 1 g der Substanz bzw. ein Extrakt aus 1 g Droge in 1000 ml Wasser gerade noch bitter schmeckt.

 

** Keine Selbstmedikation bei hohem Fieber: bei akuten Entzündungskrankheiten sollte man den Arzt konsultieren! Diese Mischung ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet.

***Mechthild Scheffer, Bach-Blütentherapie – Theorie und Praxis, Irisiana-Verlag

 

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Landschaft wahrnehmen

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Wer in der Renaissance-Stadt Urbino spazieren geht, wird häufig auf Touristen aufmerksam, die nach dem Rundgang im Herzogspalast mit leuchtenden Augen verkünden: „Was für eine herrliche Landschaft, welch ein Panorama!“. Landschaft als Begriff entspricht hier, eher instinktiv, der schönen Aussicht auf Täler und Dörfer, Hügel und Berge und hat bildhaften Charakter. Generell gesehen gilt Landschaft heute noch als Inbegriff von Schönheit und ästhetischer Harmonie, im weitesten Sinne auch als „Natur“, die man durch Naturparks, Reservate und Ökomuseen schützen möchte.

Dass die Landschaft aber nicht vom Menschen, seinem Einfluss und dem Lauf der Zeit getrennt werden kann, wird immer augenscheinlicher. In einem Zeitalter, in dem es immer weniger unberührte Natur gibt und äußere Eingriffe eher auf destruktive als auf konstruktive Weise erfolgen (weil wirtschaftliche Berechnungen an erster Stelle stehen), entsteht bei vielen Menschen auch eine feine Sensibilität für das Charakteristische, Typische einer Gegend und für das Lebendige darin. Es wächst der Wunsch, aus zerstückelten Wohn- und Industriegebieten, industrialisierten Agrarlandschaften und wilden, sich selbst überlassenen Arealen ein Ganzes werden zu lassen, das im besten Falle den „Genius loci“ ausdrückt, aber auch von seinen Bewohnern konkrete Präsenz, Dynamik und Verantwortung erfordert.

Landschaft ist heute also mehr denn je ein aktiver, kreativer Prozess, an dem jeder Teil haben kann, solange er und sie ein Bewusstsein, ein Empfinden dafür entwickeln.

Aus dem Zusammenwirken zwischen Pflanze und Mensch, Mineralreich und Tierreich, geologischen, geographischen und klimatischen Bedingungen entspringt, was wir äußerlich als Landschaft wahrnehmen. Eine Landschaft besteht also aus ländlichen Gegenden, die landwirtschaftlich genutzt werden oder brach liegen, aus Wald und Wildwuchs, aus bewohnten Zonen, vom Weiler zur Metropole – aber auch aus dem Miteinander und Nebeneinander von Industriegebieten, Verkehrsadern, historischen Bauten und Brücken sowie Wasserläufen, Seen und Staudämmen. Auch Anlagen zur Energieproduktion, Wasserkraft- und Atomkraftwerke prägen heute unsere Landschaften.

Landschaft „von innen“ her betrachten

Wenn man sich in einer neuen, ungewohnten Gegend die Frage nach einer Einheit, dem Ganzen der Landschaft stellt, öffnet man sich bewusst oder unbewusst auch Antworten, die nicht nur mit „Was“ oder „Warum“, sondern eher mit dem „Wie“ und „Woher“  und „Wohin“ zusammenhängen. Während wir das Äußere durch die Sinne wahrnehmen, können wir innerlich aufmerksam werden auf Qualitäten, die in der Betrachtung in uns aufleben. Sie „sprechen zu uns“ aus Beziehungen, Zusammenhängen, nicht so sehr aus statischen Zuständen. Um in einen echten Dialog mit einer Landschaft (oder einer Pflanze) zu treten, sollte man schnelles Beurteilen und Begriffe-Finden vermeiden und sich auf einen Prozess einlassen, der auf verschiedenen Eben innen und außen stattfindet.

Im Allgemeinen steigt eine innere Ahnung der Ganzheit auf, wenn eine Gegend oder eine Pflanze uns besonders berühren, Erinnerungen und Empfindungen erwecken, zu Überlegungen anregen oder gar zum unmittelbaren Ein-Greifen einladen. Eine erweiterte Landschaftswahrnehmung entsteht in der Begegnung zwischen dem äußeren Eindruck und unserer innerer Aktivität. Die Landschaft scheint sich ständig zu verändern, und doch scheinen ab einem gewissen Moment universelle, archetypische Eigenschaften durch, über die wir uns mit anderen austauschen können.

Landschaft ist also kein Zustand, die Beurteilung ihrer Lebewesen und Abläufe ist ein erster Schritt. Sie wird aber dann zum fließenden Begreifen, das im Jahreslauf, ganz allgemein im Vergehen der Zeit, verschiedenartig erscheint und durch all jene Faktoren beeinflusst wird, die man bewusst und auch unbewusst wahrnimmt. Es sind dies Faktoren, die auch uns, Betrachter und Landschafts- oder Heilpflanzenforscher, ständig beeinflussen. Sie sind auf das Engste mit dem Lebendigen verbunden sind.

Während der Arbeit an diesem Buch, bin ich jeder Pflanze, ob Baum, Heilpflanze oder Gewürzkraut, auf folgender Weise begegnet: verrate du mir, was du als Wesen in die Landschaft trägst, wie du es anderen Pflanzen, Tieren, Menschen und dem gesamten Lebensbereich mitteilst durch dein Wachsen und Vergehen, und zeige mir, was aufgenommen wurde in Zeit und Raum. Auf diese Weise, von der Pflanze aus betrachtet, entstand Landschaft immer wieder neu in mir, und jede Pflanze blieb innerlich lebendig, nie „abgetötet“ durch pure Definition. Dass eine solche Betrachtungsweise leicht abrutschen kann ins Subjektive, bzw. zu Interpretationen verführt, die nicht immer allgemeingültig sein mögen, scheint mir heute – für den wachen Forschergeist – eher von Vorteil! Im nachfolgenden Text werden Schritte vorgestellt, die uns helfen, uns einer Pflanze und der Landschaft auf ganzheitliche Weise zu nähern, durch kontemplative, vergleichende und kreative Methoden. (…)

Betrachtungsübung in einem sommerlichen Lavendelfeld

Mitte Juli, ich streife gegen 10 Uhr morgens durch die Reihen auf einem Lavendelfeld Als erstes fällt mir der Duft des fast verblühten Krautes auf („würzig, öffnet die Nase, wirkt einhüllend und klärend zugleich, erinnert mich an Samt und Mottenkugeln“). Meine Überlegung ist auch: „Was für ein starker Duft, die Pflanzen sind immer noch voll von ätherischem Öl“ .

Nun trete ich innerlich einen Schritt von diesem „Urteil“ zurück (ich kann ja nicht sehen, ob die Öle wirklich da sind) und frage mich: „Woher kommt dieser Duft, aus welchen Teilen der Pflanze?“ Ich reibe an Blüten, Stängeln und Blättern und habe unterschiedliche  Tast- und Geruchserlebnisse, die mich dazu führen, genauer hin zu blicken: sehe ich eigentlich Öldrüsen (mir fallen die des Johanniskrautes ein)? Wo ist denn der Duft enthalten? Dann entferne ich mich wieder von der Pflanze: „Von wo genau kommt mir der Duft entgegen?“ Ich merke, dass es „Duftwolken“ sind, die sich nicht an bestimmten Pflanzenorganen festmachen lassen, sondern beim Erlebnis von der ganzen Pflanze ausgehen. Das sagt doch etwas aus über Qualitäten des Lavendelöls! Der Duft schwebt in der Luft, umgibt die Pflanzen während der Erwärmung und strahlt nach außen (verdampft) – eine typisch „luftige“ Eigenschaft der Essenz. Gegen 11 Uhr kann ich fast keinen Duft mehr feststellen.

Dieses Lavendelfeld wird biologisch-dynamisch bewirtschaftet, und  der Bauer erzählt, wie er die Präparate ausbringt. Ob Intensität und Qualität des Duftes auch damit zusammenhängen?

(Aus: „Ars Herbaria, Heilpflanzen im Jahreslauf“ Verlag am Goetheanum, Dornach 2014“)

 

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Norne

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Ask veit ek standa,
heitir Yggdrasill,
hár baðmr, ausinn
hvíta auri;
þaðan koma dǫggvar,
þærs í dala falla,
stendr æ yfir, grænn,
Urðar brunni.

Þaðan koma meyiar
margs vitandi
þrjár, ór þeim sal,
er und þolli stendr;
Urð hétu eina,
aðra Verðandi,
– skáro á skíði, –
Skuld ina þriðio;
þær lǫg lǫgðu,
þær líf kuru
alda bǫrnum,
ørlǫg seggia.

Eine Esche weiß ich,
heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum
netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau,
der in die Täler fällt.
Immergrün steht er
über Urds Brunnen.

Davon kommen Frauen,
vielwissende,
Drei aus dem See
dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,
die andre Verdandi:
Sie schnitten Stäbe;
Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose,
das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,
das Schicksal verkündend.

 

 « Da quel luogo vengono fanciulle
di molta saggezza,
tre, da quelle acque
che sotto l’albero si stendono.
Ha nome Urðr la prima,
Verðandi l’altra
(sopra una tavola incidono rune),
Skuld quella ch’è terza.
Queste decidono la legge,
queste scelgono la vita
per i viventi nati,
le sorti degli uomini. »

SPITZWEGERICH steht für GEDULD (Plantago-Steckbrief, Teil 1)

Geduldig steht er da im harten Kies am Wegesrand. In der aussichtslosen Enge der Zäune. Auf ausgebrannten Wiesen und Weiden. Wacht und harrt aus, weil er warten kann und helfen will.

Hermann-Josef Weidinger

Grüne, intensivgrüne Blattrosetten säumten heute meinen morgendlichen Betrachtungsgang, auf dem schattigen Weg zum Haselnusswäldchen. Auf dem Rückweg schaue ich näher hin: trichterförmig angeordnete Blattgebilde, so wirken die Grundrosetten des Spitzwegerichs, zusammengesetzt aus frischen, grünen Blättern, die direkt aus dem Erdboden zu sprießen scheinen. Auch kreisförmig, um ein Zentrum herum angeordnet, ein Zentrum, das man eigentlich nicht sieht, lanzettliche Blattformen, ein wenig steif, wie „in Reih und Glied“, dicke Blattnerven als parallele Längsstreifen. Ich koste ein Blatt und merke, wie saftig und salzig es schmeckt. Einladend wirkt es nicht auf mich, aber der Spitzwegerich ist ja bekanntlich ungiftig und gehört zu den „essbaren Wildkräutern.“ Wegericharten sind vor allem bekannte Heilpflanzen, und gerade dieses Salzig-Erdige im Geschmack bringt mich auf eine Idee: im Rezeptbuch meiner Großmutter steht ein Hinweis auf ein „probates Stärkungsmittel“, das sie, in böhmischer Tradition, aus Wegerichblättern (Spitz- und Breitwegerich), Berghonig und Wacholderfrüchten herstellte.

„Wegerich-Tonikum“ (aus einem alten Krtäuterrezeptbuch)

 „Neben der Kuhweide, im Mai, frische Blätter von Spitzwegerich und Breitwegerich bei Vollmond ernten, mit dem „Nudelwalgger“ (Teigroller) kurz bearbeiten, bis der Saft herauskommt. Zerquetschte Blätter mit Berghonig in ein Glas schichten, immer wieder ein paar Wacholderfrüchte darüberstreuen und zum Schluss 3 Löffel Branntwein dazugeben. An einem warmen Ort ziehen lassen und nach 4 Wochen den Saft abseihen. Löffelweise eingenommen, hilft das Tonikum bei Rachitis, als Kräftigung nach einer Grippe, es stärkt die Knochen und die Nerven.“

Plantago media footprint

 So weit das Rezept meiner Großmutter, das ich hier gerne weitergebe und auch selbst wieder ausprobieren werde. Denn – wer braucht heute schon keine „starken Knochen und Nerven“?

Spitzwegerich in Stichworten…

Mehrjährige Pflanze mit ausdauernder Wurzel und Blattrosette im Frühling. Lanzettliche Blätter, ganzrandig oder leicht gezähnt, auf der Unterseite leicht behaart, mit fünf deutlich sichtbaren, parallel verlaufenden Blattnerven. Die Blütenstände sind sogenannte Ähren, auf langen, unverzweigten Stängeln, mit brauner Krone und auffallenden langen, weißen, herausragenden Staubfäden.

Volkstümliche Namen des Spitzwegerichs: Wegetritt, Rossrippe, Wegeblatt

In weiteren Sprachen: Englisch: Ribwort plantain; Französisch: Plantain lancéolé; Italienisch: Piantaggine. Wurde von den Indianern „Footprint“ (Fussabdruck, Fährte) genannt, weil sich die Wegeriche überall dort aussäten, wo Menschen auf ihrer Pionierreise auf dem „neuen Kontinent“ Halt machten.

Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Verbreitung: weltweit, in Europa in allen Höhenlagen bis ins Hochgebirge

Standort: Wegränder, Rasen, Weiden, Wiesen, in der Stadt auf Grünflächen, an Straßenrändern, Schuttflächen und Bauplätzen, an alten Gemäuern.

 Weitere Wegericharten: Breitwegerich, auch Großer Wegerich genannt (Plantago major), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Flohsamenwegerich (Plantago afra), Indischer Flohsamenwegerich (Plantago ispaghula), Strandwegerich (Plantago arenaria).

 Als „Zeigerpflanze“auf dem Acker und im Garten: Spitz- und Breitwegerich zeigen verdichtete, sauerstoffarme Ackerböden und Wiesenflächen an, die vernachlässigt, also landwirtschaftlich falsch bearbeitet wurden. Spitzwegerich kommt als Zeigerpflanze auch auf Wiesen und Äckern vor, die zu wenig Sand und Löss, dafür schwere, feuchtbleibende Tonerde und viele Kieselsteine enthalten können. In einem Dauerrasen sind Wegeriche schwer auszurotten, da die ausdauernde Wurzel immer wieder neu austreibt. Im Gemüsegarten trifft man weniger häufig auf Wegeriche, da der Boden immer wieder bearbeitet wird. Allerdings schaut er gerne im Blumen- und Küchenkräutergarten hinein – wir lassen sie stehen, mit ihren schönen Blättern und den eigenartigen Blüten.

Kulinarisches: Gehört zu den „essbaren Wildkräutern“, die man frisch oder gekocht in Salaten und gedünstetem Gemüse verwenden kann. Lecker sind im Sommer in Zitronensaft marinierte sehr junge Spitzwegerichblätter, die man mit Kapern, Pfeffer und Salz würzt und zusammen mit frischen Baldrianblüten auf Ziegenkäse serviert. Nur sehr junge Blätter verwenden, die im Schatten wachsen, die älteren sind faserig und haben einen stark „erdigen“ Geschmack, der auch an Pilze erinnert. Frische Spitzwegerichblüten passen feingehackt in eine traditionelle Kräuterbutter. Tipp: Spitzwegerich verträgt sich beim Kochen und Zubereiten nicht mit Knoblauch oder Zwiebel, sondern passt zu Bärlauch oder Ingwer. Sparsam verwenden, wegen des eigenen Geschmacks!

 Wegeriche als „Zauberpflanzen“

Spitz- und Breitwegerich gehören heute noch zu den sogenannten „Johanniskräutern“. Sie sollen um die Sonnenwende besonders heilkräftig (betrifft Blüten und Samen) sein. Blüten und Blattrosetten der Wegeriche fallen gerade um diese Zeit wenig auf, und doch sind es traditionelle „Zauberpflanzen“. Die Blätter wurden von den alten Römern den ganzen Sommer lang geerntet: Plinius berichtet von gefährlichen Skorpionbissen, die mit Spitzwegerichblättern  geheilt wurden. Die Wurzeln wurden früher in verschiedenen Ländern Europas getrocknet und um den Hals gehängt, als Schutz vor Zahnschmerzen und Nervenentzündungen.

In der Kunst:

Besonders in der Renaissance wurden Wegericharten mit ihren einfachen Blättern und kräftigen Wurzeln gerne in Botanikbüchern oder auch als Schmuckpflanze dargestellt. Seltsamerweise malte man weniger die blühende Pflanze, sondern das Kraut. Für Zeichnungen und gemalte Darstellungen von Wegerichblättern presste man den Saft und vermischte ihn mit haltbareren Pigmenten, manchmal auch mit Tierblut und Teer. So gelang es, das besondere Grün der Wegeriche „einzufangen“ und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Solche Malereien sind heute noch in vielen italienischen Kusntwerken aus der Renaissance zu bewundern.

Es folgt Teil 2: Spitzwegerich als Heilpflanze

©Karin Mecozzi

Den Kreislauf anregen durch ein „ Liquid in lipid“ – Fluidum

Sommer -“Liquid-in-Lipid”- Fluidum / Fluido tonico “Acqua in olio” per l’estate

 

Jojobaöl                                              200 ml

Simmondsia chinensis

Arnikatinktur                                   1 Esslöffel

Arnica montana

Ringelblumentinktur                     1 Esslöffel

Calendula officinalis

Rosmarintinktur                              1 Esslöffel

Rosmarinus officinalis

Ätherische Öle von Weißtanne (10 Tropfen), Zypresse (10 Tropfen), Petit Grain Zitrone (5 Tropfen)

Tinkturen und ätherische Öle in leicht erwärmtes Jojobaöl geben, 1 Minute lang verschütteln. Bei jeder Anwendung erneut aufschütteln, bis sich eine Emulsion bildet,  gleichmäßig auf die Beine einmassieren. Besonders morgens geeignet, um den Kreislauf in Schwung zu bringen.

E’ semplice: mescola gli ingredienti (jojoba, tinture e oli essenziali Abies alba, Cupressum e Petit Grain Limone) e scuoti per 1 minuto e prima di ogni applicazione, sulle gambe ogni mattina in estate per migliorare tono e pressione (bassa). semplice ma molto efficace!

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IMAREAL – Krems: Das Destillieren von Kräutern
Kupferstich aus der “Georgica Curiosa”, Nürnberg 1716

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Noch eine letzte Maibetrachtung

(…) TaraxacumEs bleibt nicht viel Zeit, um einzelne Arten in ihrem Wachstum zu beobachten, rasch hat sich die Pflanzenwelt neu eingekleidet. Einige haben es recht eilig, in kürzester Zeit sind sie schon am Blühen, vollenden den Wachstumsprozess und bilden Samen. Korbblütler wie Huflattich, oder später Löwenzahn, senden Achänen (Schließfrüchte) wie seidige Boten in die Frühlingslandschaft: für sie dauert das Jahr nur wenige Wochen. (…)

Walking under silver firs in Camaldoli

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Finally at the Sacro Eremo of Calmadoli –  Romualdo’s heremitage was funded more than 1000 years ago in northern Tuscany and is still full of live and spiritualiy. Camaldoli is situated in the Foreste Casentinesi, not far away from Arezzo and Florence.The monastery and the heremitage of Camaldoli are the mother house of the congregation of the “Ordine benedettino dei Camaldolesi” over 100 monks all over the world.

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Foto-0112Tall dark green European silver firs edge the heremitage to protect the cells of the monks. Some trees are hundreds of years old. Silver firs from Camaldoli were sent to Rome to build the town in the middle age. In this forest nearly anything can grow under the long branches, only some young beeches resist on the acid soil.

Today they seem to burn in a phosphorescing yellow and orange, like sunrays in the cold afternoon.

Symbolically, we met gold, silver, bronze and lead in these ancient forests. Are they part of the treasures of this landscape?  The gift of silence and a feeling of deep peace filled the atmosphere, in this very special moment of the year.

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